Kreuzbergwallfahrt

 

Geschichtlicher Hintergrund

1744 wurden die Poppenrother Wallfahrer zum ersten Mal im Wallfahrtsbuch des Klosters Kreuzberg erwähnt. Die Ursprünge liegen in der Zeit der Pest. Damals versprachen die Poppenrother, dass aus jedem Haus eine Person teilnimmt, wenn das Dorf von der Pest verschont bleibt. Jedes Jahr am Wochenende nach dem 8. September, dem Tag der Geburt Marias, wiederholen sie die Wallfahrt. Teilnehmer einst 50-70, jetzt 120-140, gehen ca. 25 km einfach am Samstag und Sonntag.

Wegverlauf

Der Aufmarsch zum Kreuzberg geht über Kistelloch nach Burkardroth, Wollbach, vor der Sieben-Schmerz-Kapelle links ab, an Gefäll vorbei über Wiesengrund nach Waldberg zum Kreuzberg.
Der Rückweg geht über Waldberg, Premich, Wollbach, Burkardroth zurück nach Poppenroth.
Stationen: Kreuz vor dem Aufstieg zum Kreuzberg. Auf dem Rückweg Bildstock am Marienbrünllein.

Gedenkstein1Ein Gedenkstein erinnert an 250 Jahre Kreuzbergwallfahrt, er wurde nördlich von Poppenroth auf dem Wallfahrtsweg am Dorfende  aufgestellt. In der heutigen Zeit nehmen außer den Poppenrothern, viele gläubige Menschen aus der Umgebung des Dorfes teil.

Diese Wallfahrt ist inzwischen - auch ohne Bedrohung durch die Pest - ein  fester Bestandteiles des Kirchenjahres in Poppenroth.

 

Die “Nunna Kät” als Stifterin

KreuzAls man in Bad Kissingen die neuen Stationen errichtete, standen die alten den neuen im Wege. Davon erfuhr eine alte Frau in Poppenroth, Katharina Pfrang, die den Kissingern die Stationen abkaufte. Als junges Mädchen war sie in einen Kloster eingetreten, das sie in späteren Jahren aus Krankheitsgründen verließ. Die Poppenröther gaben ihr den Dorfnamen “Nunna Kät” (d.h. Nonne  Katharina). Die Gemeinde stellte die aus unfruchtbarem Boden bestehende Mulde - wohl eine frühere Kiesgrube - als Platz für die Stationen zur Verfügung.  Aus Respekt vor der “Nunna Kät” pflegt ein ehemaliger Angestellter der Kissinger Stadtgärtnerei, Albin Antlitz, die Anpflanzungen im Bereich der Stationen.

Noch heute erzählt man sich, dass die “Nunna Kät” die einzelnen Figuren der Stationen im Huckelkorb von  Bad Kissingen den Staffelsberg hinauf und heim in ihr Dorf geschleppt hatte. Soweit die fromme, unhaltbare Legende. Die Stationen selbst jedoch brachten ihr gutherzige Dorfnachbarn in Fuhrwerken, sog.  “Bittfuhren”, in die einst unwirtschaftliche Kiesmulde. Auf einer Anhöhe ragt die Kreuzigungsgruppe empor, und der Blick reicht weit über die Felder zur Rhön hinauf bis zum Kreuzberg.

Das Alter der nach Poppenroth verbrachten Stationen ist bis heute auf der Rückseite des mittleren Kreuzes des Golgatha auf dem Kissinger Stationsberg nachvollziehbar. Auf der Rückseite der Stationen in  Poppenroth sind verschiedene Stifter eingemeißelt oder nur die Jahreszahl der Entstehung, 1756.

Nicht nur am Karfreitag ziehen die Poppenröther den Weg hinauf zu ihren Stationen. Auch im Mai, wenn die Anpflanzungen im frischen Grün stehen, wallen die Gläubigen zur später errichteten Lourdes-Grotte und im Oktober, am nachfolgenden Sonntag des Wendelin-Tages, geht die Pfarrgemeinde noch einmal den Stationsweg, von feierlicher Blasmusik begleitet.